Montag, 2. April 2018

Rezension: Bananama





Autor: Simone Hirth
Preis: 19,90 € [A] (gebunden)
ISBN: 978-3-218-01103-7








Was ist grün und klopft an die Tür? Wer schreit im dunklen Wald von Bananama? Und warum verschließen die Eltern das Haus? Fragen, die sich ein sechsjähriges Mädchen stellt. Sie lebt mit ihren Eltern, selbst ernannten Aussteigern, in einem Haus am Waldrand. Mit Befremden erzählt sie von der Veränderung ihrer Eltern, die jeden Tag merkwürdiger werden. Je wahnhafter sie an ihrer Vision von Bananama festhalten, desto weniger lässt sich die „Welt da draußen“ verleugnen. Eines Morgens liegt ein toter Mann im Gemüsebeet. Die diffuse Angst des Kindes bekommt ein Gesicht. Und in Bananama bleibt nichts, wie es war.


Rezension

Während des Lesens dieses Buches denkt man zwischendurch immer mal wieder: "Was sind das denn bitte für Aussteiger?" Sie haben massenhaft Obstbäume, lassen das Obst aber, wenn es reif ist, vom Baum fallen, lassen es dort liegen und sobald es ungenießbar ist und stinkt, wird es auf den Kompost geworfen. Gemüse gibt es auch genug in dem Garten, aber die Mutter kauft lieber asiatisches Gemüse aus dem Internet und kocht damit. Säcke mit Kartoffeln, Hafer usw. werden angeschafft und schlussendlich entsorgt, weil die Kartoffeln schlecht werden und im Hafer bereits die Motten hausen. Sicherlich waren solche Handlungen der Eltern, die mir persönlich unsympathisch sind, von der Autorin gewollt, um es noch dramatischer darzustellen, aber ich bin davon überzeugt, dass es solche Menschen auch im echten Leben geben wird.

Aber egal, kommen wir zum Buch an sich: Ein kleines Mädchen, das wahrscheinlich schon irgendwie in der Schule ausgeschlossen wird, wird auch noch von ihren Eltern aus der Schule genommen, weil der Vater meint, er könne ihr mehr beibringen. Was er ihr beibringt, wird zwischendurch immer wieder erwähnt, sieht aber nicht so aus, als würde sie etwas lernen, was nicht einen bewussten Lebensstil betrifft. Jedenfalls wird ihr damit noch ihre letzte Verbindung zur Außenwelt genommen und sie ist quasi in Bananama, also dem Grundstück der Familie, eingesperrt. Im Laufe des Buches merkt man immer mehr, wie sie sich von Tag zu Tag unwohler fühlt, ihre Lebensfreude verliert und das Leben Zuhause zu hassen beginnt. Schließlich ist alles schrecklich, das Haus, der Wald, sogar der Garten, den sie immer so geliebt hat.

Der Roman ist so geschrieben, dass man wirklich glauben könnte, dass ein Kind dahinter gesteckt hat. Dementsprechend kommt man mit dem Lesen auch gut und leicht voran, an einem Tag, an dem man nichts vorhat, ist es sicherlich schaffbar. Es liegt sowohl Witz, als auch Fassungslosigkeit und Traurigkeit darin. Diese absurden Beispiele mit dem Obst lassen diese ganze Aussteiger-Sache noch absurder wirken, wodurch man nur noch mehr Mitleid mit dem kleinen Mädchen bekommt und darauf hofft, dass es ein gutes Ende für sie nimmt.
Das mit dem Toten im Garten habe ich noch nicht ganz durchblickt: wurde die Polizei gerufen, wurden sie einfach vergraben und vertuscht oder was ist passiert? Warum liegt er überhaupt in dem Garten der Aussteiger? Aber die Antworten werden wir ja nie bekommen, denn dem Kind hat niemand etwas gesagt, es wurde nicht mehr darüber gesprochen, also kann der Leser auch nichts davon erfahren, was mich ein klein wenig enttäuscht hat, weil ich es unbedingt wissen wollte.
Das Ende hat mir ganz gut gefallen. Es ist offen. Ob sich die Geschichte des Mädchens nach der letzten Seite zum Schlechten oder Guten wendet, erfährt der Leser nicht mehr, weswegen er sich ein Leben für sie wünschen kann, wie er es will. Es ist fast so, wie die Stellen im Buch, an denen das Mädchen sich etwas wünscht.

Das Buch lässt jedenfalls durch die Erzählung aus der Sicht des Kindes viel Platz für die eigene Fantasie. Wo fährt die Mutter hin, wenn sie für einige Stunden verschwindet? Gibt es den Tauschmarkt, den der Vater regelmäßig besucht wirklich? Was passiert mit der Leiche? Einige Fragen werden zwar im Buch gestellt, aber nie beantwortet, weil Eltern der Meinung sind, dass Kinder nicht alles wissen müssen. Der Leser kann durch diesen Roman wieder in die Rolle eines Kindes schlüpfen, die Emotionen, Gedankengänge und das Schweigen wieder miterleben. Zwar stellt die Aussteiger-Situation eine ungewöhnliche Situation dar, die die meisten Leser als Kind nicht hatten, doch schlussendlich spielt das keine Rolle.

Bewertung: 3,5/5

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